Altes Testament
Hiob Kapitel 9
Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022
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1Hiob antwortete und sagte:
2"Wahrlich, ich habe erkannt, dass es so ist! Und wie könnte ein Sterblicher1 gerecht sein vor Gott, <dem Starken>?
3Wenn es ihm gefällt, mit ihm zu rechten, er kann ihm auf tausend nicht eins antworten.
4Er, der weise ist von Herzen und stark ist an Kraft - wer hat ihm getrotzt und blieb unversehrt? -,
5der Berge versetzt und sie merken es nicht, sie umkehrt in seinem Zorn,
6der das Erdreich erzittern macht von seiner Stätte, sodass seine Säulen erbeben,
7der zur Sonne redet, und sie strahlt nicht auf, und die Sterne versiegelt er;
8der die Himmel ausspannt, er allein, und schreitet auf den Höhen des Meeres;
9der den großen Bären machte und den Orion, das Siebengestirn und die Kammern des Südens2;
10der Großes tut, bis zum Unerforschlichen, und Wundertaten ohne Zahl:
11Siehe! Er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorüber, und ich merke ihn nicht.
12Siehe! Er rafft dahin. Wer will ihm Einhalt gebieten? Wer könnte ihm sagen: 'Was tust du?'
13Gott wird seinen Zorn nicht zurückziehen. Unter ihm krümmen sich Rahabs3 Helfer;
14geschweige denn, dass ich ihm <Rede und> Antwort stehen könnte, meine Worte ihm gegenüber wählen könnte;
15ich, der, wäre ich auch im Recht, nicht antworten könnte. Ich müsste meinen Richter <um Gnade> anflehen.
16Riefe ich - und er sollte mir Antwort geben? -, ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme4 hören würde.
17Er, der im Sturmwind nach mir schnappt5 und meine Wunden grundlos vermehrt,
18würde mich nicht Atem holen lassen, sondern mich sättigen mit Bitternis.
19Wenn es auf Kraft des Starken ankommt: 'Siehe! - da [ist er]!', wenn aber auf Recht, [so sagt er]: 'Wer will mich vorladen?'
20Wäre ich im Recht, mein Mund müsste mich zum Ehrfurchtslosen erklären. Wäre ich unsträflich6, würde er mich als verkehrt7 hinstellen.
21Unsträflich bin ich. Meine Seele kümmert mich nicht. Ich verachte mein Leben.
22Es ist einerlei. Darum sage ich: Den Unsträflichen wie den Ehrfurchtslosen tilgt er aus.
23Bringt die Geißel8 jähen Tod, so lacht er über die Verzweiflung der Unschuldigen.
24Ist ein Land gegeben in die Hand eines Ehrfurchtslosen9, so verhüllt er das Angesicht seiner Richter10. Ist er es nicht, wer <wäre es> dann?
25Meine Tage eilen schneller als ein Läufer. Entflohen sind sie. Gutes sahen sie nicht.
26Wie Schilfrohr-Kähne schossen sie dahin, wie ein Geier, der sich herabstürzt auf Fraß.
27Sage ich: 'Ich will meinen Jammer vergessen, will mein [verzerrtes] Angesicht lösen11 und heiter blicken',
28<so> bangt mir vor allen meinen Schmerzen. Ich weiß, du wirst mich nicht freisprechen.
29Ich, ich soll ja ehrfurchtslos12 sein! Wozu dann vergeblich mich mühen?
30Badete ich mich auch in Schneewasser und reinigte meine Hände mit Lauge,
31du würdest in die Grube mich tauchen, dass meine eigenen Kleider sich ekeln vor mir!
32Denn er ist nicht ein Mann wie ich, dass ich ihm erwidern könnte, wir zusammen vor Gericht gehen könnten.
33Es gibt keinen Schiedsrichter zwischen uns13, der auf uns beide seine Hand legen könnte14.
34Er tue von mir weg seine Rute und sein Schrecken überfalle mich nimmer,
35<dann> würde ich reden - und ich würde mich nicht vor ihm fürchten -, denn nicht so ist es um mich bestellt15.
2"Wahrlich, ich habe erkannt, dass es so ist! Und wie könnte ein Sterblicher1 gerecht sein vor Gott, <dem Starken>?
3Wenn es ihm gefällt, mit ihm zu rechten, er kann ihm auf tausend nicht eins antworten.
4Er, der weise ist von Herzen und stark ist an Kraft - wer hat ihm getrotzt und blieb unversehrt? -,
5der Berge versetzt und sie merken es nicht, sie umkehrt in seinem Zorn,
6der das Erdreich erzittern macht von seiner Stätte, sodass seine Säulen erbeben,
7der zur Sonne redet, und sie strahlt nicht auf, und die Sterne versiegelt er;
8der die Himmel ausspannt, er allein, und schreitet auf den Höhen des Meeres;
9der den großen Bären machte und den Orion, das Siebengestirn und die Kammern des Südens2;
10der Großes tut, bis zum Unerforschlichen, und Wundertaten ohne Zahl:
11Siehe! Er geht an mir vorüber, und ich sehe ihn nicht; er zieht vorüber, und ich merke ihn nicht.
12Siehe! Er rafft dahin. Wer will ihm Einhalt gebieten? Wer könnte ihm sagen: 'Was tust du?'
13Gott wird seinen Zorn nicht zurückziehen. Unter ihm krümmen sich Rahabs3 Helfer;
14geschweige denn, dass ich ihm <Rede und> Antwort stehen könnte, meine Worte ihm gegenüber wählen könnte;
15ich, der, wäre ich auch im Recht, nicht antworten könnte. Ich müsste meinen Richter <um Gnade> anflehen.
16Riefe ich - und er sollte mir Antwort geben? -, ich glaube nicht, dass er auf meine Stimme4 hören würde.
17Er, der im Sturmwind nach mir schnappt5 und meine Wunden grundlos vermehrt,
18würde mich nicht Atem holen lassen, sondern mich sättigen mit Bitternis.
19Wenn es auf Kraft des Starken ankommt: 'Siehe! - da [ist er]!', wenn aber auf Recht, [so sagt er]: 'Wer will mich vorladen?'
20Wäre ich im Recht, mein Mund müsste mich zum Ehrfurchtslosen erklären. Wäre ich unsträflich6, würde er mich als verkehrt7 hinstellen.
21Unsträflich bin ich. Meine Seele kümmert mich nicht. Ich verachte mein Leben.
22Es ist einerlei. Darum sage ich: Den Unsträflichen wie den Ehrfurchtslosen tilgt er aus.
23Bringt die Geißel8 jähen Tod, so lacht er über die Verzweiflung der Unschuldigen.
24Ist ein Land gegeben in die Hand eines Ehrfurchtslosen9, so verhüllt er das Angesicht seiner Richter10. Ist er es nicht, wer <wäre es> dann?
25Meine Tage eilen schneller als ein Läufer. Entflohen sind sie. Gutes sahen sie nicht.
26Wie Schilfrohr-Kähne schossen sie dahin, wie ein Geier, der sich herabstürzt auf Fraß.
27Sage ich: 'Ich will meinen Jammer vergessen, will mein [verzerrtes] Angesicht lösen11 und heiter blicken',
28<so> bangt mir vor allen meinen Schmerzen. Ich weiß, du wirst mich nicht freisprechen.
29Ich, ich soll ja ehrfurchtslos12 sein! Wozu dann vergeblich mich mühen?
30Badete ich mich auch in Schneewasser und reinigte meine Hände mit Lauge,
31du würdest in die Grube mich tauchen, dass meine eigenen Kleider sich ekeln vor mir!
32Denn er ist nicht ein Mann wie ich, dass ich ihm erwidern könnte, wir zusammen vor Gericht gehen könnten.
33Es gibt keinen Schiedsrichter zwischen uns13, der auf uns beide seine Hand legen könnte14.
34Er tue von mir weg seine Rute und sein Schrecken überfalle mich nimmer,
35<dann> würde ich reden - und ich würde mich nicht vor ihm fürchten -, denn nicht so ist es um mich bestellt15.
Fußnoten
- 1 o.: ein Hinfälliger; o.: ein schwacher Mensch
- 2 d. i.: die Sterne des südlichen Sternenhimmels
- 3 D. i. ein Meerungeheuer; hier ein Bild für feindliche Mächte, oft für Ägypten; vgl. Hi 26,12; Ps 89,11; Jes 30,7; 51,9.
- 4 d. h.: auf meine Selbstverteidigung
- 5 o.: über mich herfällt
- 6 o.: vollkommen
- 7 und schuldig
- 8 Gemeint ist das über ein Volk ergehende Strafgericht; vgl. Jes 28,15.
- 9 Gemeint ist der Herrscher.
- 10 d. h.: er (der ehrfurchtslose Herrscher) verhüllt die Augen der Richter; vgl. Jes 29,10.
- 11 o.: meine <Schmerzens>miene ändern (w.: <frei>lassen)
- 12 und schuldig
- 13 n. and. Hss: Gäbe es doch zwischen uns einen Schiedsrichter.
- 14 näml. als Zeichen dafür, dass wir beide uns seinem Schiedsspruch zu unterwerfen haben.
- 15 w.: denn nicht so bin ich - bei mir; i. S. v.: denn nicht so bin ich - nach dem Zeugnis meines Gewissens.