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Altes Testament

Hiob Kapitel 39

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Weißt du die Gebärzeit der Steinböcke? Bewachst du das Kreißen der Hirschkühe?
2Zählst du die Monate, die sie erfüllen müssen? Und weißt du die Zeit ihres Gebärens?
3Sie beugen sich nieder, lassen ihre Jungen durchbrechen, entledigen sich ihrer Leibesfrucht.
4Ihre Jungen1 werden stark, wachsen auf freiem Feld auf, ziehen davon und kehren nicht zu ihnen zurück.
5Wer hat den Wildesel frei laufen lassen? Und wer löst die Fesseln des Steppenesels,
6dem ich die Steppe zum Haus bestimmte und das Salz[land] zur Wohnung?
7Er lacht über das Getümmel der Burgstadt, das Lärmen des Treibers hört er nicht.
8Was immer er auf den Bergen erspäht, ist seine Weide; und allem Grünen spürt er nach.
9Willigt der Wildstier2 ein, dir zu dienen? Oder übernachtet er an deiner Krippe?
10Kannst du den Wildstier an ein Seil binden, dass er dir Furchen ziehe? Oder wird er hinter dir her den Talboden eggen?
11Traust du ihm, weil seine Kraft groß ist? Überlässt du ihm deinen Ernteertrag?
12Kannst du dich auf ihn verlassen, dass er deine Aussaat wiederbringe und in deine Tenne einsammle?
13Fröhlich schlägt sich der Flügel der Straußenhenne. Ist die Schwinge und die Schwungfeder zärtlich?3
14Nein, sie überlässt ihre Eier der Erde und lässt sie erwärmen im Staub
15und vergisst, dass ein Fuß sie zerdrücken und das Getier des Feldes sie zertreten könnte.
16Sie behandelt ihre Jungen4 hart, als wären sie nicht ihre. War ihre Mühe umsonst, kümmert sie es nicht,
17denn Gott ließ sie die Weisheit vergessen und teilte ihr keine Verständigkeit zu.
18Zu der Zeit, da sie sich in die Höhe schwingt, lacht sie über Pferd und Reiter.
19Gibst du dem Pferd die Stärke5? Kleidest du seinen Hals mit der Mähne?
20Lässt du es aufspringen wie die Heuschrecke? Schrecklich ist sein majestätisches Schnauben.
21Es scharrt den Talboden und freut sich [seiner] Kraft, zieht hinaus, den Waffen entgegen.
22Es verlacht den Schrecken und lässt sich nicht in Schrecken versetzen, und es kehrt vor dem Schwert nicht um.
23Auf ihm klirrt der Köcher, die Klinge von Speer und Spieß.
24Mit <dröhnendem> Erschüttern und Toben schlürft es den Boden ein6. Und es hält nicht still, wenn die Posaune7 ertönt.
25Sooft die Posaune ertönt, ruft es 'Hui!' und wittert die Schlacht von ferne, das Donnern der Heerführer und das Trompetengeschmetter.
26Steigt kraft deiner Verständigkeit der Falke8 empor und breitet seine Flügel für den Südwind aus?
27Fliegt auf deinen Befehl der Geier hoch und baut in der Höhe sein Nest?
28In Felsen wohnt und nächtigt er, auf der Felszacke und der Bergfeste.
29Von dort erspäht er Nahrung, seine Augen blicken in die Ferne.
30Und seine junge Brut schlürft Blut. Und wo Durchbohrte sind, da ist er."

Fußnoten

  1. 1 eigtl.: Söhne
  2. 2 o.: Auerochse; so a. i. Folg.
  3. 3 d. h.: zärtlich wie die des Storches; w.: Ist es eine storchfromme (o.: zärtliche, o.: anmutige) Schwinge und Schwungfeder?
  4. 4 eigtl.: Söhne
  5. 5 eigtl.: die Heldenstärke; o.: den Heldenmut
  6. 6 d. h.: bringt es eine große Entfernung hinter sich.
  7. 7 Grundbed.: Widderhorn (als Signal zum Kampf); heb. schofar
  8. 8 o.: der Habicht