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Altes Testament

Hiob Kapitel 27

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Hiob fuhr fort und hob seinen Spruch an und sagte:
2"So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzog, der Allmächtige, der meine Seele bitter machte
3(denn noch ist mein Lebenshauch1 in mir und der Odem2 Gottes in meiner Nase):
4Wenn meine Lippen Unrecht reden und wenn meine Zunge Trug ausspricht ...!3
5Ferne sei es von mir, dass ich euch Recht geben sollte. Bis ich verscheide, lasse ich meine Unschuld nicht weichen von mir.
6An meiner Gerechtigkeit halte ich fest, ich lasse sie nicht los: Nicht tadelt4 mein Herz einen meiner Tage.
7Mein Feind5 muss sein wie ein Ehrfurchtsloser und der, der gegen mich aufsteht, wie ein Niederträchtiger!
8Was denn ist die Hoffnung des Ruchlosen, wenn Gott [ihn] abhaut, wenn er [ihm] seine Seele entzieht?
9Wird der Starke sein Hilfegeschrei hören, wenn Bedrängnis über ihn kommt?
10Oder wird er seine Lust haben am Allmächtigen? Wird er Gott anrufen zu jeder Zeit?
11Ich will euch belehren über die Hand6 des Starken, will nicht verhehlen, wie es bei dem Allmächtigen ist.
12Siehe! Ihr selbst habt es alle gesehen7. Was wollt ihr nun mit Dunst mich umdunsten?
13Das ist das Losteil des ehrfurchtslosen Menschen bei Gott und das Erbteil der gewalttätigen <Bedrücker>, das sie vom Allmächtigen bekommen:
14Wenn seine Söhne sich mehren, <so ist es> für das Schwert, und seine Sprösslinge - sie werden des Brotes nicht satt werden.
15Seine Überlebenden werden vom Tod begraben werden8, seine Witwen werden nicht beweinen.
16Wenn er Silber9 aufschüttet wie Staub, Kleider sich aufhäuft wie Gassenschmutz -
17er häuft sie sich auf, aber der Gerechte bekleidet sich <damit>; und das Silber teilt der Unschuldige auf.
18Er baute sein Haus gleich der Motte10, wie eine Hütte, die ein Wächter [sich] macht.
19Reich legt er sich schlafen - und er tut es nicht wieder: Er öffnet seine Augen - und nichts ist mehr da!
20Jähe Schrecken erfassen ihn wie Wasser, des Nachts entführt ihn der Sturm.
21Ost[wind] hebt ihn weg, und er vergeht; er rafft ihn fort von seiner Stätte.
22Und er bewirft ihn und schont nicht; eiligst muss er entfliehen aus seiner Hand.
23Man klatscht über ihn in die Hände11 und zischt ihn weg von seiner Stätte."

Fußnoten

  1. 1 o.: Atem
  2. 2 o.: Hauch; Geist; heb. ruach
  3. 3 i. S. v.: Fürwahr, meine Lippen reden nicht Unrecht (D. i. eine Schwurformel; nur die erste Hälfte des Satzes wird ausgesprochen; der zweite Teil, der Fluch, ist weggelassen.)
  4. 4 o.: hält mir vor
  5. 5 i. S. v.: ein Gegner, der mich anschuldigt
  6. 6 i. S. v.: die Handlungsweise; o.: die Handlungsgewalt
  7. 7 i. S. v.: erkannt; in Erfahrung gebracht
  8. 8 näml.: ohne Leichenzug und Bestattung; gemeint ist möglicherw. der Seuchentod.
  9. 9 i. S. v.: Geld
  10. 10 o.: gleich dem Spinngewebe
  11. 11 eigtl.: in die Handflächen (als Zeichen der Schadenfreude o. des Hohnes)