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Altes Testament

Hiob Kapitel 3

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte seinen Tag.
2Hiob antwortete1 und sagte:
3"Getilgt sei der Tag, da ich geboren wurde, und die Nacht, die sagte: 'Ein Männlicher ist empfangen!'
4Jener Tag sei Finsternis! Nicht frage nach ihm Gott2 da droben! Nicht soll Licht über ihm aufleuchten!
5Dunkel und Todesschatten sollen ihn zurückfordern, Wolkendunkel über ihm wohnen, Verfinsterungen des Tages sollen <schreckend> ihn überfallen.
6Jene Nacht: Dunkelheit ergreife sie! Nicht freue sie sich unter des Jahres Tagen! In die Zahl der Monate komme sie nicht!
7Siehe! - jene Nacht sei unfruchtbar, nimmer komme Jubel in ihr auf!
8Verwünschen sollen sie die Tagesverflucher3, die imstande sind, den Leviatan4 aufzureizen!
9Finster seien die Sterne ihrer Dämmerung; sie harre auf Licht, und es bleibe aus. Die Wimpern des ersten Morgenlichts soll sie nicht schauen;
10denn nicht verschlossen hat sie mir die Pforten des Mutterleibes und nicht verborgen die Mühsal vor meinen Augen.
11Warum starb ich nicht aus dem Mutterleib weg, verschied ich nicht, als ich aus dem Mutterschoß kam?
12Weshalb kamen Knie mir entgegen? Und wozu Brüste, dass ich sog?
13Ja, <dann> läge ich jetzt da und wäre still; dann würde ich schlafen, und mir wäre Ruhe -
14bei Königen und Ratsherren des Landes, die sich Grabkammern5 bauten,
15oder bei Obersten, die Gold hatten, die ihre Häuser mit Silber füllten.
16Oder ich wäre, wie eine verscharrte Fehlgeburt, nie ins Dasein getreten, wie Kinder, die nie das Licht erblickten.
17Dort hören Ehrfurchtslose auf mit Toben. Dort ruhen die an Kraft Erschöpften.
18[Dort] sind die [einst] Gefangenen allesamt sorgenfrei, hören nicht [mehr] die Stimme des Treibers.
19Klein und Groß sind dort gleich, und der Knecht ist frei von seinem Herrn.
20Warum gibt er Licht dem Leidenden und Leben den in der Seele Verbitterten
21(die auf den Tod warten - und er ist nicht da - und nach ihm graben mehr als nach Schätzen,
22die sich freuen würden und jubelten, entzückt wären, wenn sie ein Grab fänden),
23dem Mann, dem sein Weg verborgen ist und den Gott ringsum eingeschlossen hat?
24Ja, vor meinem Brot kommt mein Ächzen6, und wie Wasser ergießt sich mein Stöhnen.
25Ja, ich fürchtete das Furchtbare, und es hat mich getroffen; und wovor mir graute, das kam über mich!
26Noch hatte ich nicht Frieden gefunden, nicht Rast und nicht Ruh, da kam [neues] Toben7."

Fußnoten

  1. 1 Das Wort "antworten" kann im Sinne einer Reaktion (hier auf 2,12.13) gebraucht werden.
  2. 2 heb. eloah; d. h.: Gott, der Ehrfurcht Erweckende; bei Hiob: 3,4.23; 4,9.17; 5,17; 6,4.8.9; 9,13; 10,2; 11,5.6.7; 12,4.6; 15,8; 16,20.21; 19,6.21.26; 21,9.19; 22,12.26; 24,12; 27,3.8.10; 29,2.4; 31,2.6; 33,12.26, 35,10; 36,2; 37,15.22; 39,17; 40,2.
  3. 3 D. s. die Zauberer, die durch ihre Bannsprüche Tage zu Tagen des Fluchs machen.
  4. 4 D. i. ein drachenartiges Ungeheuer.
  5. 5 o.: Ruinen; Totenkammern
  6. 6 o.: anstatt meiner Speise habe ich Seufzen
  7. 7 d. i.: der tobende Schmerz