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Altes Testament

Jeremia Kapitel 23

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Wehe den Hirten, die die Herde meiner Weide sich verlieren lassen1 und sich zerstreuen lassen!", ist der Spruch Jahwehs.
2"Darum: So sagt Jahweh, der Gott Israels, über die Hirten, die mein Volk weiden: Ihr habt meine Herde zerstreut, ja, versprengt habt ihr sie und habt euch nicht um sie gekümmert2. Siehe! Ich werde mich um die Bosheit eurer Taten kümmern3!", ist der Spruch Jahwehs.
3"Und ich werde den Überrest meiner Herde sammeln aus allen Ländern, wohin ich sie versprengt habe. Und ich werde sie zurückbringen auf ihr Weideland; und sie werden fruchtbar sein und sich mehren.
4Und ich werde Hirten über sie erwecken; und die werden sie weiden. Und sie werden sich nicht mehr fürchten und nicht erschrecken noch vermisst werden", ist der Spruch Jahwehs.
5"Siehe! Tage kommen", ist der Spruch Jahwehs, "da werde ich dem David einen gerechten Spross4 erwecken. Und er wird als König herrschen und verständig handeln5 und Recht und Gerechtigkeit schaffen6 im Lande.
6In seinen Tagen wird Juda gerettet werden und Israel in Sicherheit wohnen. Und dieses wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: 'Jahweh, unsere Gerechtigkeit'7."
7"Darum: Siehe! Tage kommen", ist der Spruch Jahwehs, "da wird man nicht mehr sagen: 'So wahr Jahweh lebt, der die Söhne Israels aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat!',
8sondern: 'So wahr Jahweh lebt, der den Samen des Hauses Israel heraufgeführt hat und gebracht hat aus dem Land des Nordens und aus allen Ländern', wohin ich sie versprengt habe! Und sie werden auf ihrem Erdboden wohnen."
9Über die Propheten: Mein Herz ist gebrochen in meinem Innern. Es schlottern alle meine Gebeine. Wie ein berauschter Mensch bin ich geworden und wie ein Mann, den der Wein überwältigt hat, angesichts Jahwehs und angesichts der Worte seiner Heiligkeit8;
10denn das Land ist voll von Ehebrechern, denn wegen des Fluches trauert das Land9, vertrocknen die Weideplätze der Wüste; ihr Lauf10 ist Bosheit, ihre Heldenstärke11 ist Unaufrichtigkeit12.
11"Ja, auch Prophet, auch Priester sind befleckt13. Auch in meinem Haus fand ich ihre Bosheit", ist der Spruch Jahwehs.
12"Darum wird ihnen ihr Weg sein wie schlüpfriger Boden bei Dunkelheit: Sie werden gestoßen und fallen auf ihm; denn ich lasse Unheil über sie kommen, das Jahr ihrer Heimsuchung", ist der Spruch Jahwehs.
13"Und [auch] bei den Propheten Samarias habe ich Anstößiges gesehen: Sie traten im [Namen] Baals als Propheten auf und führten mein Volk Israel in die Irre.
14Aber bei den Propheten Jerusalems habe ich Abscheuliches gesehen: Ehebrechen und Wandeln in der Lüge; und sie stärken die Hände der Bösgesinnten, sodass sie nicht umkehren, jeder von seiner Bosheit. Wie Sodom sind sie mir alle geworden und seine Bewohner wie Gomorra."
15"Darum", so sagt Jahweh der Heere über die Propheten: "Siehe! Ich speise sie mit Wermut und tränke sie mit Giftwasser; denn von den Propheten Jerusalems ging Befleckung14 aus über das ganze Land."
16So sagt Jahweh der Heere: "Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen. Sie täuschen euch mit Nichtigem15. Sie reden das Gesicht ihres Herzens, [reden] nicht aus dem Mund Jahwehs!
17Zu denen, die mich verschmähen, sagen sie immerfort: 'Jahweh hat gesprochen. Ihr werdet Frieden haben.' Und zu jedem, der in der Verstocktheit seines Herzens wandelt, sagen sie: 'Es wird kein Unheil über euch kommen.'
18- denn wer hat im Rat Jahwehs gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat auf mein16 Wort geachtet und gehört?
19Siehe! Ein Sturmwind Jahwehs, Grimmglut, fährt aus, und ein wirbelnder Sturmwind wirbelt auf den Kopf der Ehrfurchtslosen herab.
20Der Zorn Jahwehs kehrt sich nicht um, bis er getan und bis er ausgeführt hat die Pläne seines Herzens. In der späteren [Zeit] der Tage17 werdet ihr es klar verstehen18.
21Ich habe die Propheten nicht gesandt; aber sie, sie laufen! Ich habe nicht zu ihnen geredet; aber sie, sie weissagen!
22Hätten sie in meinem Rat19 gestanden und meinem Volk meine Worte zu hören gegeben, so hätten sie sie20 zurückgeführt von ihrem bösen Wege und von der Bosheit ihrer Taten."
23"Bin ich [nur] ein Gott der Nähe21", ist der Spruch Jahwehs, "nicht auch ein Gott der Ferne22?
24Oder kann sich jemand in Schlupfwinkeln verbergen, und ich sähe ihn nicht?", ist der Spruch Jahwehs. "Erfülle ich nicht die Himmel und die Erde?", ist der Spruch Jahwehs.
25"Ich habe gehört, was die Propheten sagen, die in meinem Namen Lüge weissagen: 'Mir träumte! Mir träumte!'
26Wie lange noch? Haben die Propheten etwa im Herzen23 - [sie,] die Lüge weissagen und Propheten des Trugs ihres Herzens sind -
27beabsichtigen sie, mit ihren Träumen, die sie einander erzählen, meinen Namen bei meinem Volk in Vergessenheit zu bringen, wie ihre Väter meinen Namen vergessen haben über dem Baal?
28Der Prophet, bei dem ein Traum war, mag einen Traum erzählen. Der aber, bei dem mein Wort war, soll mein Wort reden - in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam?", ist der Spruch Jahwehs.
29"Ist mein Wort nicht wie Feuer", ist der Spruch Jahwehs, "und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?"
30"Darum - siehe! - Ich will an die Propheten", ist der Spruch Jahwehs, "die meine Worte stehlen, einer vom anderen.
31Siehe! Ich will an die Propheten", ist der Spruch Jahwehs, "die ihre [eigene] Zunge nehmen und sagen: 'Spruch [von ihm] ist es.'
32Siehe! Ich will an die, die Lügenträume weissagen", ist der Spruch Jahwehs, "und die sie erzählen und mit ihren Lügen und mit ihrer Flunkerei mein Volk in die Irre führen. Ich aber habe sie nicht gesandt und sie nicht beauftragt. Und sie nützen diesem Volk nichts!", ist der Spruch Jahwehs.
33"Und wenn dich dieses Volk fragt - oder ein Prophet oder ein Priester - und sagt: 'Was ist die Last24 Jahwehs?', sollst du zu ihnen sagen, was die Last ist:25 Ich werde euch abwerfen!", ist der Spruch Jahwehs.
34"Und der Prophet und der Priester und das Volk, die sagen 'Last Jahwehs', jenen Mann und sein Haus werde ich heimsuchen!
35So sollt ihr sagen, jeder zu seinem Gefährten und jeder zu seinem Bruder: 'Was hat Jahweh geantwortet?' Und: 'Was hat Jahweh gesagt?'
36Aber die 'Last Jahwehs' sollt ihr nicht mehr erwähnen; denn die Last wird für jeden sein [eigenes] Wort sein." Ja, ihr verdreht die Worte des lebenden Gottes, Jahwehs der Heere, unseres Gottes!
37"So sollst du zum Propheten sagen: 'Was hat Jahweh geantwortet?' Und: 'Was hat Jahweh gesagt?'
38Wenn ihr aber sagt: 'Last Jahwehs', darum (so sagt Jahweh), weil ihr dieses Wort sagt: 'Last Jahwehs', obwohl ich zu euch gesandt und gesagt hatte: 'Ihr sollt nicht sagen: Last Jahwehs':
39Darum - siehe! - werde ich euch ganz vergessen und euch abwerfen, [euch] und die Stadt, die ich euch und euren Vätern gegeben habe, von meinem Angesicht hinweg!
40Und ich werde ewige Schmach auf euch legen und ewige Schande, die nicht vergessen werden wird."

Fußnoten

  1. 1 d. h.: in die Irre gehen lassen; umkommen lassen
  2. 2 und habt sie nicht heimgesucht.
  3. 3 und sie an euch heimsuchen.
  4. 4 heb. zemach; in der gr. Üsg: anatolee (Aufgang)
  5. 5 und Erfolg haben
  6. 6 o.: Recht und Gerechtigkeit walten lassen; für Recht und Gerechtigkeit sorgen
  7. 7 o.: Jahweh ist unsere Gerechtigkeit.
  8. 8 o.: angesichts seiner heiligen Worte.
  9. 9 o.: die (d. i.: Israels) Erde
  10. 10 d. h.: ihr Treiben
  11. 11 o.: ihr Heldenmut
  12. 12 o.: Nicht-Recht; Unrecht.
  13. 13 o.: entartet; profaniert; ruchlos gemacht.
  14. 14 o.: Entartung; Ruchlosigkeit
  15. 15 o.: sie betören euch mit Nichtigkeiten; sie füllen euch mit leeren (erfundenen) Vorstellungen; w.: Sie umdunsten euch.
  16. 16 so die Schreibform; n. der Leseform der Masoreten: sein
  17. 17 o.: In fernen Tagen; o.: In der Folgezeit
  18. 18 o.: dessen gänzlich gewahr werden; o.: den Sinn begreifen.
  19. 19 o.: im vertrauten Umgang mit mir
  20. 20 d. i.: die einzelnen Menschen aus dem Volk
  21. 21 o.: ein Nah-Gott; d. h.: ein Gott mit geringem Gesichtskreis
  22. 22 o.: ein Fern-Gott; vgl. V. 24.
  23. 23 d. h.: im Sinn
  24. 24 o.: der Lastspruch; so a. i. Folg.; das Gerichtswort; das Drohwort (das dem Propheten als Last auferlegt wurde); vgl. Nah 1,1; Mal 1,1.
  25. 25 so der Mas. T.; bei anderer Worttrennung u. Vokalisierung: "Sage zu ihnen: 'Ihr seid die Last!'"