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Altes Testament

Jeremia Kapitel 5

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1"Durchstreift die Gassen Jerusalems und seht und erkundet und sucht auf ihren Plätzen, ob ihr jemanden findet, ob einer da ist, der Recht übt, der Treue1 sucht, damit ich ihr vergebe.
2Aber ob sie auch sagen: 'So wahr Jahweh lebt!', so schwören sie doch trügerisch2."
3Jahweh, sind deine Augen nicht auf die Treue gerichtet? Du schlugst sie, aber es tat ihnen nicht weh. Du riebst sie auf, sie weigerten sich Zucht anzunehmen. Sie machten ihre Angesichter härter als Fels, weigerten sich umzukehren.
4Ich aber sagte <mir>: "Das sind die Geringen3. Sie handeln töricht, denn sie kennen nicht den Weg Jahwehs, das Recht ihres Gottes.
5Ich will zu den Großen [nun] gehen und mit ihnen reden; denn die kennen den Weg Jahwehs, das Recht ihres Gottes." Doch sie allesamt haben das Joch zerbrochen, haben die Stricke zerrissen.
6Darum schlägt sie ein Löwe vom Wald, der Wolf der Steppen überwältigt sie, der Leopard lauert vor ihren Städten: Wer aus ihnen herausgeht, der wird zerrissen; denn ihre Abtrünnigkeiten sind viele, ihre Abfallsünden sind zahlreich.
7"Weshalb sollte ich dir vergeben? Deine Söhne haben mich verlassen, sie schwören bei Nichtgöttern, und ich habe sie satt gemacht4, sie aber haben Ehebruch begangen und treiben sich herum im Haus der Hure.
8Brünstige Rosse sind sie, lüstern umherschweifend; sie wiehern ein jeder nach der Frau seines Nächsten.
9Sollte ich dieses nicht heimsuchen?", ist der Spruch Jahwehs. "Oder sollte an einem Volk* wie diesem meine Seele sich nicht rächen?"
10"Ersteigt ihre Terrassen5 und zerstört [sie]; doch richtet [sie] nicht völlig zugrunde. Entfernt ihre Ranken, denn zu Jahweh [gehören] sie nicht [mehr]!
11Ja, das Haus Israel und das Haus Juda haben gar treulos an mir gehandelt", ist der Spruch Jahwehs.
12Sie haben Jahweh verleugnet und gesagt: "Mit dem ist nichts! Unheil wird nicht über uns kommen. Schwert und Hunger werden wir nicht sehen.
13Und die Propheten? Sie werden zu Wind! Und das Wort ist nicht in ihnen. Ihnen selbst wird's so ergehen!"
14"Darum", so sagt Jahweh, der Gott der Heere, "weil ihr dieses Wort redet, - siehe! - mache ich meine Worte in deinem Munde zu Feuer und dieses Volk da zu Holz, und es wird sie verzehren.
15Siehe! Ich bringe6 über euch ein Volk* aus der Ferne, Haus Israel", ist der Spruch Jahwehs. "Ein dauerhaftes7 Volk* ist es, ein Volk* von Urzeit her8 ist es, ein Volk*, dessen Sprache du nicht kennst und dessen Rede du nicht verstehst.
16Ihr Köcher ist wie ein offenes Grab. Sie alle sind Helden.
17Und es verzehrt deine Ernte und dein Brot, verzehrt deine Söhne und Töchter, verzehrt dein Schaf und dein Rind, verzehrt deinen Weinstock und deinen Feigenbaum, zerstört deine befestigten Städte, auf die du vertraust, mit dem Schwert."
18"Aber auch in jenen Tagen", ist der Spruch Jahwehs, "werde ich mit euch nicht ganz ein Ende machen.
19Und es soll geschehen, wenn ihr sagt: 'Weshalb hat Jahweh, unser Gott, uns dieses alles getan?', sage zu ihnen: 'So wie ihr mich verlassen und ausländischen Göttern gedient habt in eurem Land, so werdet ihr Fremden dienen in einem Land, das euch nicht gehört.'"
20"Verkündet dieses im Haus Jakobs und lasst es hören in Juda:
21Hört dieses, o törichtes Volk ohne Verstand, die Augen haben und nicht sehen, Ohren haben und nicht hören!
22Solltet ihr nicht mich fürchten", ist der Spruch Jahwehs, "und nicht vor meinem Angesicht erzittern, der ich dem Meer den Sand als Grenze setzte, eine ewige Schranke, die es nicht überschreite? Branden auch seine Wellen, sie vermögen doch nichts; auch wenn sie tosen, sie werden sie nicht überschreiten.
23Aber dieses Volk hat ein störrisches und widerspenstiges Herz! Abgewichen sind sie und fortgegangen.
24Und sie haben nicht in ihrem Herzen gesagt: 'Lasst uns doch Jahweh, unseren Gott, fürchten, der Regen gibt zu seiner Zeit, Frühregen und Spätregen, der uns die bestimmten Wochen der Ernte[zeit] einhält.'
25Eure Verschuldungen haben dies9 abgewendet, und eure Sünden haben das Gute von euch ferngehalten;
26denn in meinem Volk finden sich Ehrfurchtslose. Man lauert - wie Vogelfänger sich ducken. Sie stellen Fallen; Menschen fangen sie.
27Wie ein Käfig gefüllt mit Vögeln, so sind ihre Häuser gefüllt mit Trug. Auf solche Art werden sie groß, werden sie reich.
28Fett sind sie geworden [und] glatt. Auch überschreiten sie [jedes] Maß an Bösem. Den Rechtsstreit führen sie nicht, den Rechtsstreit der Waisen, ihnen zum Erfolg zu verhelfen. Den Armen verhelfen sie nicht zu ihrem Recht.
29Sollte ich sie für dieses nicht heimsuchen?", ist der Spruch Jahwehs. "Oder sollte meine Seele sich nicht rächen an einem Volk* wie diesem?
30Entsetzliches und Abscheuliches ist im Lande geschehen:
31Die Propheten weissagen mittels Lüge10, und die Priester verschaffen sich Gewinn - mit ihrer Unterstützung11. Und mein Volk liebt es so. Aber was wollt ihr am Ende von alledem tun?"

Fußnoten

  1. 1 o.: Wahrhaftigkeit; Redlichkeit; Beständigkeit; so a. V. 3.
  2. 2 w.: zur Lüge.
  3. 3 d. i.: die kleinen Leute; das gemeine Volk.
  4. 4 i. S. v.: obwohl ich sie gesättigt <und für ihren Unterhalt gesorgt> hatte
  5. 5 Gemeint sind die Weinbergterrassen.
  6. 6 eigtl.: ich bin im Begriff zu bringen (o.: kommen zu lassen)
  7. 7 o.: unverwüstliches; zähes; altes
  8. 8 o.: ein Volk von urdenklichen Zeiten her; ein uraltes Volk
  9. 9 d. h.: diese Gaben
  10. 10 o.: in Falschheit; durch Trug
  11. 11 eigtl.: ihnen zur Hand; o.: unter ihrer Anweisung; vgl. 1Chr 25,2ff; 2Chr 23,18.