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Altes Testament

Jesaja Kapitel 10

Die Bibel in deutscher Fassung (Jantzen-Jettel) · Oktober 2022

1Wehe denen, die Satzungen des Unrechts1 anordnen, und den Schreibern, die Unheilvolles niederschreiben,
2um die Geringen vom Rechtsweg abzudrängen und die Gebeugten meines Volkes ihres Rechts zu berauben, damit die Witwen ihre Beute werden und sie die Waisen ausplündern.
3Was wollt ihr <dann> tun am Tag der Heimsuchung und beim Sturm, der von weither kommt? Zu wem werdet ihr fliehen um Hilfe? Und wo werdet ihr eure Herrlichkeit lassen?
4Nichts anderes [wird euch bleiben] als hinzusinken unter den Gefangenen; und hinfallen muss man unter Durchbohrten. Bei alldem hat sein Zorn sich nicht abgewandt, und seine Hand ist noch ausgestreckt.
5Wehe, Assur, der Rute meines Zürnens2! Und ein Stecken ist er; in ihrer Hand ist mein Zorn[gericht].
6Gegen ein ruchloses Volk* sende ich ihn, gegen das Volk meines Grimms entbiete ich ihn, Raub zu rauben und Beute zu erbeuten und es zu einem Zertretenen zu machen3 gleich Straßenkot.
7Er aber meint es nicht so, und sein Herz denkt nicht so, sondern zu vernichten hat er im Herzen4, und Völker auszurotten, nicht wenige;
8denn er sagt: "Sind meine Obersten nicht allesamt Könige?
9War es mit Kalne nicht wie mit Karkemisch? Oder mit Hamat nicht wie mit Arpad, oder mit Samaria nicht wie mit Damaskus?
10So wie meine Hand erreicht hat die Königreiche der Nichtse5 (und ihre Schnitzbilder waren zahlreicher als die in Jerusalem und in Samaria),
11werde ich nicht, wie ich Samaria und seinen Nichtsen getan habe, Jerusalem und seinen Götzenbildern ebenso tun?"
12"Und es wird geschehen, wenn der Herr sein ganzes Werk am Berg Zion und an Jerusalem vollendet hat, werde ich6 die Frucht des Großtuns des Herzens des Königs von Assur heimsuchen und die Pracht seiner hochmütigen Augen;
13denn er hat gesagt: 'Durch die Kraft meiner Hand habe ich es getan und durch meine Weisheit, denn ich bin klug. Die Grenzen der Volksscharen entfernte ich, und ihre Vorräte plünderte ich, und ich stieß - wie ein Starker - Thronende hinab.
14Und wie in ein Vogelnest langte meine Hand nach dem Reichtum der Volksscharen. Und wie man verlassene Eier einsammelt, sammelte ich die ganze Erde7 ein. Da war keiner, der mit den Flügeln schlug oder den Schnabel aufriss und piepste.'"
15Darf sich die Axt brüsten gegenüber den, der damit haut? Oder darf die Säge großtun gegen den, der sie zieht? Als ob der Stock den schwänge, der ihn erhebt! Als ob der Stab den erhöbe, der kein Holz ist!
16Darum sendet der Herr, Jahweh der Heere, Schwindsucht unter seine Fetten8. Und unter seiner9 Herrlichkeit entbrennt ein Brand wie der Brand eines Feuers.
17Und das Licht Israels wird zu Feuer werden und sein Heiliger zu einer Flamme; und die wird sengen und verzehren seine Dornen und seine Disteln an einem Tag.
18Und man wird die Herrlichkeit seines Waldes und seines Baumgartens aufreiben von der Seele bis zum Fleisch10, sodass es sein wird, wie wenn ein Siechender dahinsiecht.
19Und der Rest der Bäume seines Waldes wird zählbar11 sein, sodass ein Knabe sie aufschreiben könnte.
20Und es wird geschehen an jenem Tag, da wird [der] Überrest Israels und [das] Entronnene des Hauses Jakob sich nicht mehr auf den stützen, der es schlägt, sondern es wird sich auf Jahweh, den Heiligen Israels, stützen in Treue12.
21[Der] Überrest wird umkehren13, [der] Überrest Jakobs, zu 'Gott-Held'14;
22denn wäre Israel, dein Volk, auch wie der Sand des Meeres, [der] Überrest15 in ihm wird umkehren. Vernichtung ist beschlossen, sie flutet Gerechtigkeit heran;
23denn der Herr, Jahweh der Heere, ist im Begriff, Vernichtung und Festbeschlossenes zu vollführen inmitten des ganzen Landes16.
24"Darum", so sagt der Herr, Jahweh der Heere: "Fürchte dich nicht, mein Volk, das in Zion wohnt, vor Assur, der dich mit dem Stock schlägt und seinen Stab gegen dich erhebt in der Weise Ägyptens17!,
25denn noch eine ganz kleine [Weile]18, <dann> ist das Zürnen19 vollendet; und mein Zorn [geht daran], sie zu vernichten20."
26Und Jahweh der Heere wird über ihn die Geißel schwingen wie beim Schlag gegen Midian am Felsen Oreb und seinen Stab über das Meer; und er wird ihn erheben in der Weise Ägyptens.
27Und es wird geschehen an jenem Tag, da wird seine Last von deiner Schulter weichen und sein Joch von deinem Hals, und zermürbt wird das Joch vom Fett21.
28Er kommt auf Aijat zu, hat Migron durchzogen. In Michmas legt er sein Gepäck22 nieder.
29Durch den Engpass sind sie gezogen. In Geba schlagen sie ihr Nachtlager auf. Rama erzittert. Das Gibea Sauls flieht.
30Kreische laut, Tochter Gallims! Horche auf, Lajisch! Elendes Anatot!
31Madmena eilt davon. Die Bewohner von Gebim bringen sich in Sicherheit.
32Am selben Tag noch steht er in Nob. Er schwingt seine Hand gegen den Berg der Tochter Zion, den Hügel Jerusalems.
33Siehe! Der Herr, Jahweh der Heere, haut mit Schreckensgewalt die Äste herab, und die hochgewachsenen werden abgeschlagen und die emporragenden niedrig gemacht.
34Und er schlägt das Gestrüpp des Waldes mit dem Eisen nieder; und der Libanon fällt durch einen Mächtigen.

Fußnoten

  1. 1 i. S. v.: ungerechte Beschlüsse
  2. 2 o.: meiner Entrüstung; meines Strafgerichts
  3. 3 i. S. v.: um es zu etwas zu machen, das man zertritt.
  4. 4 d. h.: im Sinn
  5. 5 o.: der Nichtigkeiten; i. S. v.: der nichtigen Götzen; so a. i. Folg.
  6. 6 Der Wechsel von der dritten zur ersten Person fällt auf.
  7. 7 i. S. v.: das ganze Land; alle Ländereien
  8. 8 d. h.: unter seine kräftigen Soldaten
  9. 9 d. i.: Assurs
  10. 10 d. h.: mit Stumpf und Stiel
  11. 11 d. h.: gering an Zahl
  12. 12 o.: in Beständigkeit; o.: in Wahrheit
  13. 13 heb. schear jaschub; Jes 7,3
  14. 14 o.: zu El-Gibbor (hier viell. als Eigenname gebraucht; vgl. Jes 9,5); El-Gibbor kann a. bed.: heldenhafter, <starker> Gott; o.: Gott, der heldenhaft Starke.
  15. 15 i. S. v.: nur der Überrest
  16. 16 n. d. gr. Üsg.: denn ein rasch abgeschlossenes Wort wird Gott vollführen auf dem ganzen Festland.
  17. 17 i. S. v.: wie er an Ägypten tat; so a. V. 26.
  18. 18 w.: noch ein winzig Kleines; so a. 29,17.
  19. 19 o.: die Entrüstung; d. h.: Gottes Strafgericht über Israel; vgl. Jes 10,5; Dan 8,19; 11,36.
  20. 20 w.: zu ihrer Vernichtung
  21. 21 o.: vor dem Fett; durch die Wirkung des [Nacken]fetts; d. i.: durch den Gegendruck des fetten, starken Halses.
  22. 22 o.: seinen Tross